NIS2 · Freitag, 16:47

Folien als PDFPfeiltasten blättern · Esc beendet das Vollbild
Interaktives Lernbeispiel · IT-Risikomanagement
NIS2-konformes IT-Risikomanagement
Strukturierte Risikoanalyse und Maßnahmenableitung anhand eines Fallbeispiels
NIS2 · Lernen und Spielen
Freitag, 16:47 Uhr.
Die Leitwarte eines Wasserversorgers meldet: Der Chlorwert springt. Niemand vor Ort hat etwas verstellt.
Was tun Sie als Erstes?
Lernziele: Das können Sie nach 20 Minuten
1 Einordnenprüfen, ob NIS2 für ein Unternehmen gilt und in welcher Kategorie (§ 28)Anwenden
2 PriorisierenRisiken nach Häufigkeit und Auswirkung in eine Matrix einordnenAnalysieren
3 AbleitenMaßnahmen ableiten und den zehn Bereichen des § 30 zuordnenAnwenden
4 Prüfenbegründen, ob das Restrisiko vertretbar ist und wer es trägt (§ 38)Bewerten
Diese vier Schritte gehen Sie gleich selbst im Lernspiel durch – am Fall eines Wasserversorgers.
Der Fall: vier Risiken der Altmühltal Wasser GmbH
Trinkwasser für 85.000 Menschen · 140 Beschäftigte · Sektor aus Anlage 1 BSIG
R1Büro
Schwachstelle: Sicherungskopien liegen im selben Netz, die letzte Schulung ist vier Jahre her.
Was passieren kann: Eine Phishing-Mail bringt Erpressersoftware ins Büro. Die Abrechnung steht still.
R2Fernwartung
Schwachstelle: Alle Techniker nutzen ein gemeinsames Konto, ohne Zwei-Faktor-Anmeldung.
Was passieren kann: Ein Fremder meldet sich an und verstellt die Chlordosierung.
R3Leitwarte (Steuerzentrale)
Schwachstelle: Die Rechner laufen mit Windows 10 und bekommen keine Updates.
Was passieren kann: Schadsoftware legt die Steuerzentrale lahm. Gesteuert wird nur noch vor Ort.
R4Hochwasser und Strom
Schwachstelle: Die Pumpwerke liegen am Fluss, der Notbetrieb wurde nie geübt.
Was passieren kann: Hochwasser oder ein tagelanger Stromausfall legt die Pumpen still.
Schritt 1 · Gilt NIS2 für die Altmühltal Wasser?
Welcher Sektor?Trinkwasser. Das steht in Anlage 1.
→
Wie groß?140 Beschäftigte. Ab 50 gilt ein Unternehmen als mittelgroß, ab 250 als groß.
→
Ergebniswichtige Einrichtung (§ 28 BSIG)
Faustregel: groß und Anlage 1 = besonders wichtig. Mittelgroß oder Anlage 2 = wichtig. Kleiner als mittelgroß = nicht betroffen. Anmelden muss sich das Unternehmen selbst beim BSI, innerhalb von drei Monaten (§ 33).
Was NIS2 verlangt
§ 30 BSIG · Risiken managenSchutzmaßnahmen in zehn Pflichtbereichen. Sie müssen zum Risiko passen und wirklich wirken.
§ 32 BSIG · Vorfälle meldenAn das BSI: nach 24 Stunden kurz, nach 72 Stunden genauer, nach einem Monat abschließend.
§ 38 BSIG · ChefsacheDie Geschäftsleitung gibt die Maßnahmen frei, kontrolliert sie und lässt sich schulen. Versäumt sie das, haftet sie.
Wie viel ein Unternehmen tun muss, hängt davon ab, wie wahrscheinlich und wie schlimm ein Schaden wäre. Genau das misst die Risikoanalyse.
Schritt 2 · So läuft eine Risikoanalyse ab
1 Was schützen wir?
2 Was kann passieren?
3 Wie oft, wie schlimm?
4 Wie hoch ist das Risiko?
5 Was tun wir?
Im letzten Schritt gibt es vier Möglichkeiten: das Risiko vermeiden, verringern, abgeben (z. B. versichern) oder bewusst tragen. Wir arbeiten nach dem BSI-Standard 200-3.
Die Risikomatrix der Altmühltal Wasser
So lesen Sie die Matrix: Je weiter oben, desto häufiger. Je weiter rechts, desto schlimmer.
R2 Fernwartung steht ganz oben rechts. Ein Angriff ist wahrscheinlich – und dann kann das Trinkwasser für 85.000 Menschen gefährlich werden.
R4 Hochwasser steht auch hier: NIS2 verlangt, an alle Gefahren zu denken, nicht nur an Hacker.
Jetzt sind Sie dran · 5 Minuten
Spielen Sie Szenario 1.
Öffnen Sie die Webseite und klicken Sie auf „Spielen“ → Altmühltal Wasser. Sie beantworten zwei Fragen und wählen zwei Maßnahmen. Dann ist es Freitag, 16:47.
Schritt 3 · Jede Maßnahme verschiebt das Risiko
Seltener machen (eine Zeile nach unten): Zwei-Faktor-Anmeldung und ein Audit beim Dienstleister. R2 bleibt trotzdem „hoch“.
Weniger schlimm machen (eine Spalte nach links): Büronetz und Steuerungsnetz trennen, Notbetrieb von Hand üben. R2 sinkt auf „mittel“.
Eine Versicherung verschiebt nichts. Sie bezahlt nur den Schaden.
Schritt 4 · Freitag, 16:47 – hat es gereicht?
gering / mittelEs hat gereichtDer Angriff kommt, aber der Schaden bleibt überschaubar.
hochTeilweiseEs fehlt noch eine Maßnahme.
sehr hochNicht gereichtDer Angriff trifft mit voller Wucht.
Was danach übrig bleibt, heißt Restrisiko. Die Geschäftsleitung muss es bewusst akzeptieren (§ 38). Und ab jetzt hat das Unternehmen 24 Stunden für die erste Meldung an das BSI (§ 32).
Merksätze
1
Alle zehn Bereiche sind Pflicht.
Angefangen wird dort, wo das Risiko am höchsten ist – bei der Altmühltal Wasser an der Fernwartung.
Nr. 1Risiken & KonzepteIT und OT trennen
Nr. 2Vorfälle bewältigenNotfallplan für Angriffe
Nr. 3Betrieb sichernNotbetrieb, Offline-Backup
Nr. 4LieferketteAudit beim Dienstleister
Nr. 5Einkauf & WartungUpdates für die Leitwarte
Nr. 6Wirksamkeit prüfenjährlicher Penetrationstest
Nr. 7SchulungenPhishing-Training
Nr. 8Verschlüs­selungKundendaten verschlüsseln
Nr. 9Zugänge & Personaleigene statt Sammelkonten
Nr. 10Zwei-Faktor-Anmeldungfür die Fernwartung
Dunkel: die zwei Maßnahmen, die die Fernwartung auf „mittel“ senken
2
Seltener reicht nicht immer.
Eine Maßnahme macht ein Risiko seltener oder weniger schlimm. Ist die Gesundheit von Menschen in Gefahr, muss es weniger schlimm werden.
3
Ein Rest bleibt immer.
Was nach allen Maßnahmen übrig bleibt, akzeptiert die Geschäftsleitung bewusst und schriftlich (§ 38).
So geht es weiter
LernenNIS2 in zehn kurzen Kapiteln
Spielenvier weitere Fälle zum Üben
Testenzwölf Fragen mit Erklärungen
Hausaufgabenacht Aufgaben mit Lösungen
Außerdem auf der Webseite: alle Gesetze mit Beispielen und das Handout zum Ausdrucken.
Fragen und Diskussion
NIS2 · Lernen und Spielen